Kommentar: Theaterschulden sind kein Naturgesetz

Wolfgang Kralicek | Kultur | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Rette sich, wer kann, die Unternehmensberater sind da! In Deutschland sorgen die Männer mit den schicken Aktentaschen und den dicken Rechenschiebern schon seit einigen Jahren für Unruhe in der Theaterlandschaft. Nun geht es auch den Wiener Theatern, die bisher eine Art Diplomatenstatus zu genießen schienen, an die Bilanzen: Ausgerechnet das ehrwürdige Theater in der Josefstadt hat es offenbar ordentlich erwischt.

Spätestens seit der Betrieb der Studiobühne im Rabenhof aus Kostengründen eingestellt werden musste, sind die finanziellen Nöte der Josefstadt bekannt. Auch dass die Unternehmensberatungsfirma Infora die Finanzen des Theaters durchleuchtet und einen Bericht verfasst hat, ist in den vergangenen Wochen häppchenweise an die Öffentlichkeit gedrungen. In der aktuellen Ausgabe des profil sind nun erstmals Details aus dem Bericht zu lesen. Laut Infora ist der Schuldenstand der Josefstadt nicht, wie bisher angenommen, mit 95 Millionen, sondern mit rund 160 Millionen zu veranschlagen.

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