Einstürzende Neubauten

Kunst. Vom Scheitern einer Utopie: Der deutsche Maler Günther Förg zeigt in der Sammlung Essl Fotos von Gebäuden des russischen Architekten Konstantin Melnikov.

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Als Günther Förg auf Einladung eines russischen Architekten 1995 nach Moskau kam, um Gebäude der dortigen Moderne zu fotografieren, stieß er zunächst auf unerwartete Widerstände. "Von dem Haus dürfen keine Fotos mehr gemacht werden", teilte ihm Victor Melnikov, Sohn des Konstruktivisten Konstantin Melnikov, mit. Er schämte sich wegen des Zustands des von seinem Vater 1927 gebauten Wohn- und Atelierhauses und befürchtete, der Ruf dieser Ikone der Moderne werde durch Bilder von abblätternden Decken beschädigt.

Das tragische Schicksal des Gebäudes und seines Schöpfers, für den es zu einer Art Gefängnis wurde, fing Günther Förg in wenigen Bildern ein. Durch einige der sechseckigen Fenster fällt Tageslicht. Die Fotos sind unscharf, das geometrische Muster verschwimmt; wie in Förgs Malerei bleibt von den formalen (Reinheits-)Fanta-sien der Moderne nur ein matter Abglanz. Förg, der sich auf ähnliche Weise schon der faschistischen Architektur in Italien genähert hat, fügt


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