Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Gemalte Filme und gefilmte Malerei zeigt die Galerie Meyer Kainer (bis 29.7.) vor der Sommerpause. Walter Obholzer tritt mit seinen Bildern eine Reise in die Zeit vor der Erfindung der Fotografie an. Stills aus historischen Kostümfilmen dienten ihm als Vorlage für seine Gemälde mit dem Titel "Vorphotographie". Andere Motive sind ethnographische Dokumente aus China oder Jan Vermeers Gemälde "Der Maler und das Modell"; Obholzers Spiel mit den Medien verwandelt sie in Schwarzweißfotografien. Diese reizvollen, aber für Obholzer eher untypischen Arbeiten stammen aus dem Jahr 1986. Eine aktuelle Arbeit sind die zahllosen übereinander gezeichneten Kreise auf einer Wand im ersten Raum der Galerie. Die abstrakten, ornamentalen Formen sind repräsentativer für Obholzers reduziertes Werk. Jeroen de Rijke und Willem de Rooij inszenieren in ihrem Film "Frühling" ein asiatisches Paar inmitten von Magnolienblüten. Die Beziehung der Liebenden zueinander wird lediglich durch ihre Blickrichtung angedeutet. So fehlt dem Film das, was traditionellerweise einen solchen ausmacht: Bewegung in Zeit. Unabhängig von einer narrativen und sich entwickelnden Handlung entstehen abermals Fotografien oder Vorlagen für Gemälde.

"Wir befinden uns in polyperspektivischen Zeiten. Es gibt viele parallele Wahrheiten", meinte Thomas Klestil Anfang dieses Jahres. Für jede Woche rechtspopulistische Regierung bringen Otto Mittmannsgruber und Martin Strauß ein Zitat auf Plakatwänden am Urban-Loritz-Platz. Die parallelen Welten der Passanten finden einen Überschneidungspunkt in der Abhängigkeit von ihren Repräsentanten. "Wortlauf / 52 Zitate" bringt Versatzstücke aus deren Diskurs in den öffentlichen Raum.


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