Stadtrand: Wisch und weg

Stadtleben | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Fensterputzen ist ein ziemlich langwieriges Exerzitium: ein Rubbeln und Polieren, mit einem Wisch ist längst nicht alles weg. Fensterputzen ist die pure Marter. Stundenlang steht der Putzerkörper im Durchzug, halsbrecherisch artistisch turnt er am Fenstergebälk herum, und der für kurze Zeit extrem hausfrauliche Kopf ohne Wenn und Aber wird geplagt von Sätzen wie "Die Sonne lacht" und "Mit einem Wisch ist alles weg". Und nicht zuletzt: Fensterputzen ist höchst gesundheitsgefährdend, gar ein wenig Selbstmord auf Raten. Mit einem Packen Kleinformat, durchmischt mit Lachsrosa und täglich "Auweia, ich bin so bunt" Alles, geht man ans Werk, seift das Fenster ein und nimmt sich wahllos einen Fetzen "Krone" zur Hand. Und nimmt teil am inoffiziellen österreichischen Dreikampf Sauberkeit, Zucht und Ordnung. Die Sonne lacht ja. Bis einem humorlose Grätscher wie Herr Staberl in die Hände fallen, dazu der papierene Ressortleiter aus dem ta-Kriegsministerium ("Gusen-, Grusel-, Duselbauer" ist dessen Parole vom Wochenende): Schandwinkel oder der unausweichliche freie Fall aus dem vierten Stock? Lieber das lachsrote Blatt, denn mit den geifernden Lefzen der Kleinformatkampfhunde ist eh kein Fenster sauber zu kriegen. Wo. P.


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