Standpunkt: Prinzip Gießkanne

Politik | aus FALTER 30/00 vom 26.07.2000

Aus für die Familienbeihilfe, dafür höhere Stipendien!" - das ist das jüngste Vorhaben der Regierung für Studiosi. Sechs Milliarden soll das bringen. Unter dem Arbeitstitel "soziale Treffsicherheit", versteht sich. Vor allem Schwarz hat sich da wieder einmal zugunsten der eigenen Klientel verrechnet. Die Stipendien treffenjetzt schon nicht: Unter den Beziehern sind überproportional viele Kinder aus selbstständigem Hause (laut einer Studie der Österreichischen Hochschülerschaft über 25 Prozent). Günstige Abschreiberegelungen machens möglich, denn Stipendienvergaben richten sich nach dem Einkommensbescheid der Familie. Selbstständige dürfen bei ihrer Jahresbilanz natürlich Betriebsausgaben geltend machen. Wer genügend hohe Ausgaben verzeichnen kann, dessen Sprösslinge sind förderungswürdig. Was dazu führt, dass der studierende Nachwuchs vom oberösterreichischen Großgrund-Vierkanthof mit Mercedes vor der Scheune genauso subventioniert wird wie jener der ärmlichen Bergbauernfamilie aus Tirol. Die Tochter vom Großunternehmer genauso wie der Sohn aus einem Kleinbetrieb. Den Stipendiaten reicher Familien das Geld zu kürzen, davon ist keine Rede. Durch die Erhöhung der Stipendien wird möglich, dass auch sie künftig mehr Bares aufs Handerl bekommen. N. W.


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