"Abartig und gefährlich"

Homosexuelle. Ein Mann sitzt "wegen Streichelns" auf unbestimmte Zeit in einer Anstalt für geistig Abnorme. Ein 19-Jähriger wird vergangene Woche verurteilt, weil sein Freund mit ihm freiwillig "Unzucht treibt". Justiz, Polizei und Gerichtsgutachter behandeln Schwule noch immer wie Kapitalverbrecher.

Florian Klenk und Nina Weissensteiner | Politik | aus FALTER 30/00 vom 26.07.2000

Manchmal werden von Gerichtsgutachtern drei Krügerl Bier in der Woche als "chronischer Alkoholismus" diagnostiziert. Dann kann es passieren, dass ein Mann wegen harmlosen Pettings nicht nur zu einem Jahr Haft verurteilt wird, sondern auch auf unbestimmte Zeit in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verschwindet.

Wie zum Beispiel der steirische Spengler August S. Der Fünfzigjährige hat einen Jugendlichen "mit dem Vorsatz, gleichgeschlechtliche Unzucht zu treiben, am ganzen Körper geküsst". Dafür wurde S. vom Landesgericht Graz wegen des "Verbrechens der gleichgeschlechtlichen Unzucht mit Minderjährigen" zu einem Jahr unbedingter Haft verdonnert. Dem nicht genug: Der Richter, Gerd Obetzhofer, verfügte wegen "geistiger und seelischer Abartigkeit" die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die Begründung: "Herr S. hat mit einer Person männlichen Geschlechts, die das 14., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet hat, dadurch, dass er dessen Geschlechtsteil

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