"Abartig und gefährlich"/Homo-Ehe: Auf nach Deutschland?

Politik | Nina Weissensteiner | aus FALTER 30/00 vom 26.07.2000

In Österreich haben es bisher nur die Liberalen gewagt, das heiße Eisen anzufassen, in Deutschland arbeiten Schröder, Fischer und Co. tatsächlich daran: Rot-Grün will die Homo-Ehe einführen - und erntet dafür heftige Kritik. Auch aus den eigenen Reihen.

Zwar sind laut Umfragen 55 Prozent der Deutschen ohnehin dafür, dass Homos aufs Standesamt können, führende Politiker von CSU und CDU sowie Kirchenvertreter laufen dagegen aber Sturm. "Verfassungsrechtlich bedenklich". Ein Erzbischof sprach gar von "Degeneration" und "Import von Lustknaben". Selbst Innenminister Otto Schily überkamen Bedenken: "Ehe und Familie sind mehr als heterosexuelle Partnerschaften (...) sie müssen unter dem Schutz der Grundrechte gewahrt bleiben."

Doch homosexuellen Paaren geht es nicht nur um das offzielle Jawort, der formale Akt räumt ihnen schließlich viel mehr Rechte ein: Wie in Österreich, können Lesben und Schwule auch in Deutschland vor dem Finanzamt ihre "Familienbande" nicht geltend machen. Was natürlich zu steuerlichen und sozialrechtlichen Diskriminierungen führt. Beim Tod des Partners droht ihnen, falls der Mietvertrag auf dem Namen des Verstorbenen läuft, die Delogierung. Im Gegensatz zu Heteropaaren wird bei Homosexuellen ein Mietvertrag nicht automatisch vererbt. Wenn der Partner im Sterben liegt, kann es passieren, dass die Partner nicht ins Krankenzimmer vorgelassen werden: Sie sind keine "Familienangehörigen". Verwehrt bleiben ihnen auch gemeinsame Namen, die Adoption von Kindern und - bei Lesben - die künstliche Befruchtung.

Trotz des energischen Widerstands will Rot-Grün die "Etablierung der eingetragenen Lebensgemeinschaft" bis Ende des Jahres realisieren. Hunderte Gesetze müssen dafür geändert werden. Legt sich auch das Bundesverfassungsgericht nicht quer, das CSU/CDU nun anrufen wollen, wäre Deutschland das siebte Land Europas (neben Dänemark, Norwegen, Grönland, Schweden, Island und den Niederlanden), wo Homsexualität nicht Liebe zweiter Klasse ist.


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