Der gekränkte Dr. Gross

Justiz. Groteske im Fall Gross: Der ORF hatte ein Opfer zu Wort kommen lassen, das behauptete, von Gross misshandelt worden zu sein. Der NS-Arzt klagt wegen Verletzung der Unschuldsvermutung.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 30/00 vom 26.07.2000

Es ist noch keine drei Wochen her, da attestierte ein Gerichtspsychiater Heinrich Gross Verhandlungsunfähigkeit. Der von der Justiz jahrzehntelang hofierte Ex-Gerichtsgutachter und NS-Arzt sei wegen anhaltender Demenz nicht mehr in der Lage, seinem Prozess zu folgen. Ein Mordverfahren sei nicht mehr fair, so die Begründung. Die Causa jenes bis vor kurzem von Österreichs Justiz viel beschäftigten Arztes vom Spiegelgrund, der angeklagt ist, neun Kinder ermordet zu haben, schien endgültig vom Tisch. Nun fühlt sich Heinrich Gross in seinem Recht auf Unschuldsvermutung verletzt und will Geld. Die Klage, die "Heinrich Gross, Pensionist", nun im Grauen Haus eingebracht hat, birgt gewaltigen Sprengstoff. Der ORF wird geklagt, weil er ein mutmaßliches Opfer des NS-Arztes ausführlich zu Wort kommen ließ und behauptete, "der Spiegelgrund gilt als Synonym für die systematische Tötung von schwer erziehbaren Kindern". Darf dies in Zukunft nicht mehr behauptet werden? Darf über den NS-Arzt


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