"Gereifte Männlichkeit"

Kritikerstreit. Bei der bislang letzten Folge des "Literarischen Quartetts" eskalierte der Streit zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler. Einige Anmerkungen zu TV-gerechter Literaturkritik und der "Theorie des Romans". Sowie ein Vorschlag zur Güte.

Kultur | Marlene Streeruwitz | aus FALTER 30/00 vom 26.07.2000

Nach dem Video vom letzten "Literarischen Quartett". Beim Zurückspulen. Da lief "Herzblatt". Das Paar von der letzten Sendung war sich auf der Kreuzalm nicht näher gekommen. "Man sollte sich doch kennen lernen. Vorher." Meinten die beiden im Interview. Dann die Kandidatinnen. Sandra hat keine genaue Vorstellung von ihrem Traummann. Aber George Clooney wäre ganz gut. Yvonne ernährt sich gesund, isst Vanilleeis zum Frühstück und will einen großen Mann. Carmens Traummann sollte weiße Zähne und saubere Fingernägel haben. Da war das Videoband dann zurückgespult.

Was ist nun der Unterschied? Beide Sendungen sind Schaukämpfe. Personen sitzen vor der Kamera. Sagen Texte. Quasispontane Texte. Bei "Herzblatt" ist leichten Herzens abzudrehen. Das "Literarische Quartett" fordert Emotionen ab. Immer negative. Das Abdrehen ist ein Abwürgen. Ist ein Zum-Schweigen-Bringen. Ich denke, das Format "Literarisches Quartett" ist deshalb so widerspruchabfordernd und darin ermüdend, weil es um nichts


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