Vor 20 Jahren im Falter

... rezensierte Helmut Schneider die Gewinner-Hörspiele des Friedrich-Torberg-Preises und zeigte sich vorweg von der Radikalität des ORF beeindruckt.

Vorwort | aus FALTER 31/00 vom 02.08.2000

Wenn in Klagenfurt nach einem Wettlesen der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben wird, bringt das Fernsehen stundenlang Berichte darüber, und die Presse ist auch nicht faul.

Wenn der ORF aber einen Hörspielwettbewerb ausschreibt und die "ausgezeichneten" Einsendungen im Radio gesendet werden, dann schweigen sowohl Fernsehen als auch Presse.

Man könnte nun einwerfen, die Fadheit der Hörspiellandschaft Österreichs verdiene nichts anderes. - Doch erstens gälte das auch für den Ingeborg-Bachmann-Preis, und zweitens besteht kaum eine Möglichkeit einer Änderung, wenn nicht die Ursachen des Übels diskutiert werden. Und diese Ursachen zu finden, gibt der Hörspielwettbewerb des ORF reichlichst Gelegenheit. Wir erfahren nämlich endlich, was der ORF unter einem guten, anspruchsvollen Hörspiel versteht. Wie tönte es doch so schön aus dem Lautsprecher des Radioapparats?

"Vor rund einem Jahr schrieb der Österreichische Rundfunk den Friedrich-Torberg-Preis für ein anspruchsvolles, heiteres Hörspiel aus, um den Mangel an guten, heiteren Stoffen zu beheben. Der Preis war mit 50.000 Schilling dotiert. Es langten 179 Arbeiten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz ein. Den 1. Preis erhielt das Hörspiel "Wie gehts denn der Sophie?" von Ingeborg Teuffenbach. Der 2. Preis wurde Gerald Gam für sein Hörspiel "Schlechtwetter" zuerkannt."

Über die Jury erfahren wir erwartungsgemäß nichts, dafür bekommen wir aber eine Vorstellung von der Radikalität des Unternehmens. Es sollte nämlich nicht der Mangel an guten, heiteren Hörspielen, sondern gleich der Mangel an guten, heiteren Stoffen behoben werden. Ein neuerlicher Beweis dafür, dass der ORF nichts unter einem gewissen Niveau tut.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige