Standpunkt: Hochvernaderer!

Politik | aus FALTER 31/00 vom 02.08.2000

Die Weisen waren gerade aus dem Hotel Imperial abgerauscht, da griff FPÖ-Klubchef Westenthaler in sein Waffenarsenal und zog sie heraus: die Vernadererkeule. SPÖ-Chef Gusenbauer habe mit seiner Kritik an der FPÖ "Österreich vernadert" und damit "jede staatspolitische Verantwortung abgelegt". Solche Diktion regt in Österreich überraschenderweise niemanden mehr auf. Sie gehört zum Sprachschatz des politischen Diskurses. Im Europäischen Parlament (Daniela Raschhofer), in der Krone und natürlich an jedem Stammtisch. Doch Westenthalers Rhetorik ist faschistoid und tritt die Präambel mit Füßen. Es wird nicht lange dauern, und das Wörtchen "vernadern" wird durch das Synonym "verraten" ersetzt werden. Wer die FPÖ zu kritisieren wagt, der verrät Österreich. Der ist ein "Österreich-Verräter" und damit nicht mehr "staatspolitisch verantwortlich". Solche Argumentationsmuster sind in totalitären Staaten bekannt. Wer den Führer, wer die Partei, die Bewegung kritisiert, der ist ein staatsfeindliches Element. Was Verrat ist, das bestimmt natürlich der Führer. Der hat sich bereits geäußert: "Vernaderer in den Knast." Peter Westenthaler hat diese Forderung vor den Weisen als Scherzchen heruntergespielt: "Das nimmt niemand mehr ernst." Richtig erkannt: Deshalb hat uns Europa die Weisen geschickt. F. K.


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