Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 31/00 vom 02.08.2000

Wahrscheinlich ist es ja als ein Zeichen von "Normalisierung" zu werten, dass schwarze US-Filmkomiker - Schminke, Perücke, Latex und Spezialeffekten sei Dank - endlich auch ihre "Tootsie"- und "Mrs. Doubtfire"-Rollen kriegen. Jedenfalls muss Martin Lawrence, den man an der Seite von Eddie Murphy erst kürzlich in einer weitaus tiefgründigeren Mainstream-Komödie ("Life") im Kino sehen konnte, in "Big Momma's House" (Regie: Raja Gosnell) als FBI-Undercover-Agent in die ziemlich gut ausgepolsterte zweite Haut einer schwarzen Südstaaten-Großmutter schlüpfen. Und zwar, um deren Enkelin auszuhorchen, die vermeintlich die Komplizin eines flüchtigen Schwerverbrechers ist. Die "echten" Frauenfiguren werden von so viel Leibesfülle mit männlichem Kern naturgemäß an den Rand gedrängt. Dafür ist die "falsche" Frauenrolle nicht nur mit künstlichem Volumen, sondern auch mit Lustige-Oma-Klischees und wenig überraschenden situationskomischen Gags ausgefüllt.


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