So machens nicht alle

Salzburg: Oper. Mit den "Trojanern" von Hector Berlioz wurden die Salzburger Festspiele monumental eröffnet - doch mit der von Hans Neuenfels inszenierten "Cosi fan tutte" wurden sie spannend.

Kultur | Jürg Stenzl | aus FALTER 31/00 vom 02.08.2000

Es gab zwar, als Berlioz 1858 seine vierstündige Aeneis-Oper "Les Troyens" schuf, noch keine Musikfestspiele; solche begannen erst 1876 in Richard Wagners Bayreuth. Dennoch sind diese "Trojaner" nicht weniger eine Festspieloper als Wagners für Bayreuth komponierter "Parsifal". Berlioz hatte allerdings eine eigentliche Nationaloper beabsichtigt: Von Troja sollte der Weg über Karthago und Rom in die "Hauptstadt des 19. Jahrhunderts", nach Paris, führen. Nur weil gute Freunde ihm dringend abgeraten hatten, unterließ es der Komponist, am Ende auf den gegenwärtigen französischen Aeneas, Kaiser Napoleon III., explizit hinzuweisen.

Die "Troyens" waren das Schmerzenskind des Komponisten. Nur die stark gekürzten Akte drei bis fünf wurden zu seinen Lebzeiten gespielt; die Uraufführung der vollständigen Oper erfolgte erst 1969 in Glasgow und London. Doch die "Troyens" waren und bleiben ein Solitär der Operngeschichte. Die Zeit der antiken Stoffe war vorbei, als der mit Vergils Epos seit


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