Vergammelt und vergessen

Flaktürme. Abbruch, Umbau oder Erhaltung: Seit mehr als fünfzig Jahren wird die Entscheidung über die Wiener Flaktürme aufgeschoben. Zuletzt ist aus einem Hotel auf dem Turm im Esterhazypark nichts geworden. Weg sollen die Mahnmale für das Dritte Reich aber nicht. Selbst wenn die meisten sich von den Betonriesen nicht mehr an finstere Zeiten erinnern lassen.

Stadtleben | Julia Ortner | aus FALTER 31/00 vom 02.08.2000

Finster. Monströs. Archaisch. Ein Symbol für Zerstörung und Tod. Jedes Mal, wenn Maria Kral vor dem grauen Monolith im Esterhazypark steht, erinnert sie sich an dunkle Zeiten: an damals, 1944, als die Nationalsozialisten an der Macht waren. Als Bomben auf Wien fielen und die Stadt brannte. Wenn die Bomber der Alliierten kamen, suchten Tausende Menschen aus dem Bezirk Schutz im Flakturm. "Es war grauenhaft. Das Dröhnen der Geschütze in den meterdicken Betonmauern: Man hat sich gefühlt wie in einem Grab", erinnert sich die Pensionistin noch heute. "Besonders diese Geräusche, wenn man im Turm gesessen ist. Diese Geräusche werde ich nie vergessen." Fritz Kral legt den Arm beruhigend um die Schultern seiner Ehefrau. "Sie regt sich oft auf, wenn wir hier vorbeispazieren." Trotzdem wollen die Krals der Erinnerung nicht aus dem Weg gehen. "Der Turm ist ein Zeichen gegen das Vergessen."

Mitten in Mariahilf steht unübersehbar und seit Jahrzehnten wohl der am zentralsten gelegene der sechs


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