Vergammelt und vergessen /Meinung II: "Halbwegs sinnvoll nutzen"

Stadtleben | Eva Weissenberger | aus FALTER 31/00 vom 02.08.2000

Sprengen geht leider nicht. Abtragen ist zu teuer. Wien wird sechs Nazi-Ruinen einfach nicht los. Dann sollen sie doch, bitte, wenigstens halbwegs sinnvoll genützt werden. Meinetwegen auch angeschmiert, umgebaut oder - sofern es die Stadtplanung nicht zusammenhaut - aufgestockt. Einzige Bedingung: nicht verhundertwässern. Denn hässlicher als ein Flakturm könnte eigentlich nur noch ein Flakturm mit goldener Zwiebel oben drauf sein.

Die Betonklötze, die ein paar Wiener Parks verschandeln, müssen derzeit aber wahlweise als Glanzstücke der architektonischen Moderne oder Mahnmale gegen den Krieg herhalten. Deshalb sei eine kommerzielle (Hotel auf dem Ungetüm im Esterhazypark!) oder kulturelle Nutzung (Contemporary Art Tower im Ahrenbergpark) ein schlimmer Frevel.

Dass nun gerade der Flakturm im Esterhazypark zur antifaschistischen Gedenkstätte ausgerufen wird, ist lächerlich. Über die Haie, die im "Haus des Meeres" herumschwimmen, hat sich bisher niemand aufgeregt. Über das Foltermuseum, mehr Geisterbahn als Menschenrechtszentrum, auch nicht. Und der Alpenverein hat sein Herumgekraxel an der Ruine auch nie als "Klettern gegen das Vergessen" deklariert.

Währenddessen verschimmelt seit 13 Jahren ein Vorschlag, im Flakturm im Augarten ein zeitgeschichtliches Museum einzurichten, in den Schubladen. Bei dem Streit über den Standort des "Hauses der Toleranz" respektive "Hauses der Geschichte" wurde über sämtliche Innenstadtpalais gestritten. Der Augarten aber war nur kurz im Gespräch. Dabei wären die 11.000 Quadratmeter Nutzfläche des Flakturms geradzu ideal für dieses Projekt.

Und dann bliebe auch dem Liebhaber des unverfälschten Vierzigerjahrebetons immer noch der zweite Flakturm in der Leopoldstadt. Weiterhin exklusiv von Tauben genutzt - zugeschissen.


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