Gestatten, Drogenboss!

Operation Spring. Vor einem Jahr galt der Dichter Charles Ofoedu noch als "Drogenboss der nigerianischen Mafia". Heute sitzt er im Cafe und blättert in einer Anklageschrift. Ganze sechs Seiten hat die Justizin einem Jahr zusammengebracht. Mit seltsamem Inhalt.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 32/00 vom 09.08.2000

Was für eine Story! Der Dichter, der immer so arm gekleidet war, ein stinkreicher Drogenboss! "Charles Ofoedu ist einer der Chiefs der nigerianischen Drogenmafia", urteilte Michael Sika, der Ex-Generalsekretär für die Öffentliche Sicherheit. Seine Beamten haben es ihm versichert: In einem streng geheimen Verschlussakt der Sondereinsatzgruppe Observation (SEO) wird Charles Ofoedu wörtlich als "führendes Mitglied der kriminellen Organisation mit Kontakten ins Afro-Asiatische Institut, in die Universität Wien, UNO-City" geführt.

Beim ersten Lauschangriff vergangenen Mai geriet Ofoedu ins Visier der Fahnder. Das Verbrechen: Der politisch aktive Schriftsteller betrat das überwachte Lokal, verteilte Flyer für eine Demo und sprach den mittlerweile legendären Satz: "Leave your business, join the demonstration." Die Fahnder glaubten an den großen Fang: Der Drogenboss persönlich kommandierte sein Kartell. Ofoedu kam für zwölf Wochen in Haft. Die Medien erhielten exklusive Fotos: Drogenboss


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