Fernsehschau

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 32/00 vom 09.08.2000

Die Wucht der Wassermassen sei nahezu unvorstellbar, erklärte mir die sonore Stimme des "Universum"-Sprechers. Mehr als zehn Meter hohe Wellenberge donnerten seit Jahrmillionen gegen die Felsenküsten von Vancouver Island. Beim Aufprall an der Küste würden ähnliche Kräfte frei, wusste er zu berichten, wie wenn ein Auto mit mehr als 150 km pro Stunde gegen eine Mauer rast. Und trotz der scheinbar alles vernichtenden, tosenden Wassermassen gäbe es hier Leben. Hier verebbte der Ton meines Fernsehgeräts. Und weil es keine Zufälle gibt, die uns nicht etwas erzählen wollen, ging gleichzeitig der RealPlayer meines Computers an und begann das grausame Naturküstendrama mit kreuzfideler Bluegrass-Musik zu untermalen. Während sich also in kanadischen Küstentümpeln Seesterne und Anemonen, Kammmuscheln und Seeigel gegenseitig mit Stacheln, Tentakeln, Giftpfeilen und Saugnäpfen aufzufressen und zu martern trachteten, hatte ich Visionen einer neuen Fernsehzukunft. Wie sich wohl Gisela Hopfmüllers "Sommergespräche" zum Soundtrack der Bürgerkriegs-Love-Soap "Vom Winde verweht" machen würden?


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