Stadtrand: Es ratscht

Stadtleben | aus FALTER 32/00 vom 09.08.2000

Eine seltsame Erscheinung: Landauf, landab marschieren Hundertschaften mit angeräumten Hüften herum, alles, was bequem in den Hosensäcken verschwinden könnte, wird offensiv freizügig getragen. Da wiegen sich Feuerzeuge, Universalwerkzeuge, Handys sowieso, Taschenlampen und anderer Hokuspokus in kleinen Beutelchen verpackt am Gürtel. Der ganze Trödel, den die Menschheit inwendig mit sich herumschleppen könnte, wird a la nature getragen. Nicht genug damit: Es muss dazu auch noch ratschen. Es bimmelt und der Klettverschluss macht ratsch. Es wird, wie so oft, urplötzlich dunkel - ratsch, ratsch, die Taschenlampe zur Hand. Feuer, bitte: Ratsch. Wären Sie bitte so freundlich, einmal ratsch zu machen und mir Ihre Säge und Ihr Einmannzelt zu borgen? Jetzt einmal stopp! Es kann getrost bei unseren Freunden und Helfern ratschen, die brauchen ja den mit allerlei Gerätschaften armierten Wanst. Die Polizei muss mit dem Leatherman Kätzchen aus verzwickten Lagen befreien, mit Pistolen, Pfeffersprays und Handschellen muss amtshandlerisch gefuchtelt werden und die überbordende Freundlichkeit will auch irgendwie verpackt sein. Dass aber Stadtmenschen wie du und ich wie Beuteltiere herumhoppeln und seltsame Laute von sich geben, damit muss Schluss sein! Wo. P.


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