Schade um dieses Land

Vergangenheitsbewältigung. Auch die Tageszeitungen haben ihre braunen Flecken. Ein Grazer Historiker hat die Kampagnen und Kommentare der österreichischen Presse seit 1945 unter die Lupe genommen.

Medien | Nina Weissensteiner | aus FALTER 33/00 vom 16.08.2000

Der amerikanische Fernsehspielfilm brachte nicht nur die österreichische Volksseele zum Kochen. Als der ORF 1979 den Vierteiler "Holocaust" des Senders NBC ausstrahlte und damit die Seher nach fast drei Jahrzehnten erstmals medial mit Material über die Opfer des Nationalsozialismus konfrontierte, hämmerten auch einige Journalisten ihren Zorn in die Tasten. Zum Beispiel die von der Presse. "Ein Film mit zionistischer Tendenz", geißelte der damalige Chefredakteur Otto Schulmeister die US-Produktion, "eine Kommerzwar, die auf Gruseln und Schuldgefühl spekuliert". Sein späterer Nachfolger, Thomas Chorherr, sprang ihm bei. "Ein nach Hollywood-Manier abgedrehter Horrorschinken", schrieb dieser unter dem Titel "Holocaust-Masochismus", der wegen "des puren Geschäftes (...) ein ganzes Land in einen überdimensionalen Verhandlungssaal verwandelt". Kurz darauf kam Chorherrs Presse-Elaborat sogar in der Aula, im freiheitlichen Akademikerblatt, zu Ehren. Dort wurde es eins zu eins abgedruckt.


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