Fernsehen

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 33/00 vom 16.08.2000

Ganz sicher ist es ein Vorurteil, aber es ist mein Urteil und es ist vernichtend: Die deutsche Sprache eignet sich nicht für den Einsatz im Fernsehen. Mit der deutschen Sprache meine ich nun nicht gesprochenes Deutsch, wie es zwischen Kiel und Klagenfurt in Verwendung steht, sondern das, was Generationen von Moderatoren und Ansagern aus der deutschen Sprache gemacht haben. Und ich meine auch nicht die Worte, die sie gebrauchen, ich meine die Musik, die ihre Worte erzeugen. Diese Musik ist billiges Plastik. Vera Russwurm spricht Plastilin, das unter den Fingernägeln kleben bleibt, Peter Rapp abgelaufenes Linoleum mit verkrusteten Limonadeflecken, die beim Drübergehen knirschen, und die Sprache der österreichischen Wetterberichterstatter oszilliert zwischen ausgeleierten Gummiringerln und der undurchdringlichen Folie, mit der Supermarkt-Weichkäse versiegelt werden. Deutsche Nachrichtensprecher klingen wie Gesundheitskaugummi aus dem Reformhaus, und selbst Sprachtalente wie Thomas Gottschalk und Harald Schmidt murmeln nahe am Kunststoff. Nur Verona Feldbusch spricht, wie Gott ihre Zunge schliff. Eben hölzern.


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