"Gib dem Mann Prozac!"

Literatur. Beim letztjährigen Bachmann-Wettbewerb wurde Thor Kunkel für einen Ausschnitt aus "Das Schwarzlicht-Terrarium" mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet. Nun ist sein ausufernder Loser-Roman in leicht verstümmelter Form erschienen.

Kultur | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 33/00 vom 16.08.2000

Der Wermutstropfen vorweg: Das Rowohlt-Lektorat hat bei Thor Kunkels Debütroman kräftig gestrichen. 900 Seiten zählte "Das Schwarzlicht-Terrarium" in seiner ursprünglichen Fassung (die Rohfassung gar 1400), 260 mussten für die Buchveröffentlichung dran glauben. Und es fehlt ausgerechnet der Schlussteil, in dem sich der Held nach sinnlosem Morden und der Entwendung eines Geldkoffers auf den Bahamas mit einem Pornostar vergnügen darf.

Auf den verbliebenen 640 Seiten geht es alles andere als idyllisch zu. Ort der Handlung ist die tristeste Gegend Frankfurts, der Stadtteil namens Kamerun, in dem auch der Autor aufgewachsen ist. Kuhl, Rio, Eddie und Sonny heißen die Helden, und dementsprechend uncool sind sie denn auch: Hier werden keine "Trainspotting"-Figuren präsentiert, sondern echte Loser, "Connaisseure der Narkose", die eine Eisdiele zum Treffpunkt haben und sich dort eine lächerliche und letztlich, wie alles, was sie angehen, erfolglose Disco-Strip-Show ("Superjocks") ausdenken.


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