Minnesang in Zeitlupe

Salzburger Festspiele. In der gefluteten Felsenreitschule wurde die Troubadour-Oper "L'amour de loin" von Kaija Saariaho uraufgeführt. Ein Meisterwerk in fast jeder Hinsicht.

Kultur | Jürg Stenzl | aus FALTER 34/00 vom 23.08.2000

Der libanesische Schriftsteller Amin Maalouf hat vor Jahren ein faszinierendes Buch über die "Kreuzzüge aus der Sicht der Araber" geschrieben; christliche Ritter, die den heimischen Krieg nach Nordafrika exportieren, Kolonialisierung erlernen, plündern und schänden. Davon findet sich in seinem Libretto für die finnische Komponistin Kaija Saariaho (geb. 1952), "L'amour de loin", allerdings nichts. Den Stoff entnahm er einer schönen Legende über den Troubadour Jaufre Rudel aus der Nähe von Bordeaux, der wahrscheinlich auf dem zweiten Kreuzzug 1147/48 gestorben ist. Darin wird berichtet, Jaufre hätte in der Art der "höfischen Liebe" eine ferne Gräfin in Tripolis umworben, sei dann gen Tripolis gefahren, auf See erkrankt und schließlich in ihren Armen gestorben. In solcher "Fernliebe" des 12. Jahrhunderts, der Zeit einer ersten europäischen Renaissance, sind ein neues Liebesverständnis, eine neue höfische Liedkunst und der junge Kult der fernen Mediatrix Maria eigenartig und


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