Standpunkt: Gusch, ihr Zeugen!

Politik | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Vergangenen Dienstag standen sie dann vor Gericht. Konfrontiert mit einerEhrenbeleidigungsklageund Prozesskosten (die im Ernstfall das LiF übernimmt). Die Vorgeschichte: Vergangenes Frühjahr machen fünf Passanten eine schreckliche Beobachtung. Sie wollen gesehen haben, wie zwei Polizisten einen Afrikaner mit dem Schlagstock beamtshandelt und als "Negersau" beschimpft hatten (der Falter berichtete). Als sich die Zeugen um den Schwarzen kümmern, soll ein Beamter "Na wie is so ein Neger?" gefragt haben. Die Passanten fassenMut, informieren nicht nur die Medien. Der Justizminister - damals noch der parteifreie Nikolaus Michalek - munterte die Zeugen auf "nicht wegzuschauen". Dieser Ratschlag hätte auch seinen Beamten nicht geschadet. Denn die Justiz handelte skandalös. Das Verfahren gegen die Polizisten wurde ohne Verhandlungeingestellt, der Afrikaner schnell außer Landes geschafft (an seinen Zeugenaussagen gab es kein Interesse). Die FPÖ drohte mit Klagen. Am Dienstag standen dann schließlich die Zeugen vor Gericht. Sie sollen, so wollen es die Polizisten, bestraft werden, weil sie vor Gericht ihre Wahrnehmungen schilderten. Wahrscheinlich wird die Klage abgewiesen. Doch das Spiel mit der Angst wirkt: Wer die Polizei beklagt, wird geklagt. Gusch das nächste Mal! F. K.


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