Der gschwinde Rudi

Porträt. Täglich lacht er aus den Gerichtsspalten der Tageszeitungen. Strafverteidiger Rudi Mayer war Schauspieler, zapfte Bier mit Helmut Lang, chauffierte jüdische Pelzhändler und boxt mit Orsolics. Heute vertritt er die Wiener Unterwelt vor Gericht und will mit seiner Hundepartei Bürgermeister werden.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Wie erklärt man einem Schwurgericht im Grauen Haus, dass der Angeklagte heute einfach nicht aus dem Bett kommen konnte? Rudi Mayer versucht es so: "Seids ihr die Schöffen?" Die zwei älteren Herrschaften am Gang nicken. "Geh, seids ma net bös, der Angeklagte hat an Durchfall. Die ganze Nacht gespieben, der Arme." Rudi Mayer greift sich auf den Bauch, krümmt sich, als ob er selbst die Nacht durchgemacht hätte. Die Schöffen werden mitleidig. Mayer blinzelt schelmisch. Im Saal, vor den Richtern wird er wieder ganz untertänig: "Frau Rat, ich bitt Sie, der Herr Mandant lasst sich entschuldigen. Die ganze Nacht, Frau Rat, schrecklich! Ich bitt um einen neuen Termin. Wie viel Uhr wollen Frau Rat verhandeln. Neun Uhr? Ausgezeichnet. Hier, ein Zetterl fürn Herrn Schöffen, damit ers aufschreiben kann."

Wieder einmal gut gegangen. Manchmal diktieren Richter Haftbefehle, wenn Beschuldigte einfach nicht daherkommen. Doch diesmal kann nicht einmal der Staatsanwalt bös sein: "Haaß is do herinnen,


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