Sex in der Petrischale

Wissenschaft. Wie sehr die Errungenschaften der Reproduktionsmedizin das Verhälnis der Geschlechter und damit unsere ganze Gesellschaft verändern werden, ist eine - dieser Tage auch auf der Ars Electronica in Linz - heiß diskutierte Frage.

Kultur | Matthias Dusini und Klaus Taschwer | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Wenn die Zeugung von der Geschlechtsliebe einmal völlig getrennt ist, werden die Menschen in einem völlig neuen Sinne frei geworden sein." Dieser Satz ist nicht dem Katalog zur heurigen Ars Electronica entnommen, die heuer ganz der Zukunft des Sex und der menschlichen Reproduktion gewidmet ist. Er entstammt dem Büchlein "Daedalus oder Wissenschaft und Zukunft", das der renommierte britische Biologe J.B.S. Haldane vor genau 75 Jahren publizierte.

Der marxistische Wissenschaftler, der mit seinen Utopien nachhaltigen Einfluss auf Aldous Huxley und dessen Roman "Brave New World" (1932) nehmen sollte, imaginierte darin eine Welt, in der Frauen weniger als 30 Prozent aller Kinder auf die Welt bringen werden. Im Jahr 2075 wird laut Haldanes Prognose die Mehrheit der Babys per so genannter Ektogenesis zur Welt kommen, also einer Reifung außerhalb des Mutterleibes. Wer biologischer Vater und Mutter sein darf, wird strikt geregelt sein: Nur die besten dürfen sich vermehren. Dagegen würde es


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