Streifenweise

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Gestaltwandler, Telepathinnen und Kröten in Menschengestalt - wer ein solches Figureninventar irgendwie lächerlich findet, sitzt bei "X-Men" (Regie: Bryan Singer) ganz sicher im falschen Film. Nach einer Reihe mehr oder weniger gelungener Verfilmungen der Comicabenteuer der Helden des Verlages DC (Batman, Superman) ist nun erstmals Konkurrent Marvel (Spiderman, Die Phantastischen Vier ...) am Zug. The Uncanny X-Men ist eine der populärsten Serien des Superhelden-Genres: In nicht allzu ferner Zukunft haben einzelne Menschen, durch einen Lapsus der Evolution, zu Kräften gefunden, die sie zu Helden wie zu Außenseitern machen. Bryan Singers Film konzentriert sich vor allem auf Letzteres: In einer ungewöhnlich langen Exposition etabliert er den Konflikt zwischen dem Philantropen und Mentor der X-Men, Professor Xavier (Patrick Stewart), und seinem Antagonisten und Feind der Menschheit, Magneto (Ian McKellan), die für sich und ihresgleichen verzweifelt Lebensraum einfordern.

Der Rahmenhandlung, die die Mutanten als widernatürlich brandmarkt und ihren Ausschluss aus dem gesunden Körper der Nation fordert, stellt der Film auf einer Mikroebene das Dilemma einer mutierten Körperlichkeit bei; über weite Strecken ist der Film die Geschichte zweier Mutanten, Rogue (Anna Paquin) und Logan (Hugh Jackman), deren Körper und Fähigkeiten zwischenmenschlichen Kontakt nahezu unmöglichen machen und beständiger Quell von Schmerz sind. Der Konzentration auf diese Konflikte verdankt "X-Men" seine gelungensten und stimmigsten Momente, in denen er sich deutlich vom schrillen Trash-Getöse zeitgenössischer Comicadaptionen wie etwa jenen von Joel Schumacher ("Batman III" und "IV") absetzt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige