Mit Knarre und Gitarre

Musik. Auch böse Menschen haben ihre Lieder: Auf der CD "Il Canto di Malavita" kann man hören, wie das Leben der kalabrischen Mafia so klingt.

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Im Grunde ihres Herzens sind Mafiosi todtraurige Menschen. Kein Wunder, schließlich gestaltet sich ihr ganzes Leben ziemlich lustfeindlich: Verschwiegenheit und Rache, Gefahr, Blut und Tod, Ehre, Ehre und Ehre - das sind die zentralen Begriffe der malavita, des Lebens in der süditalienischen Unterwelt, wo zwar die "ehrenwerten Gesetze" herrschen, aber eben nicht die gesetzlich anerkannten. Wenn von der Traurigkeit der Mafiosi hierzulande nicht viel bekannt ist, dann liegt das nicht zuletzt daran, dass ihnen bislang niemand zugehört hat, wenn sie singen.

Ja, auch böse Menschen haben ihre Lieder. In diesen berichten die Mafiosi herzerweichend von all dem, was sie so bedrückt: "Meine Frau hatte zu Hause auf mich gewartet / Sie wusste nicht, wann ich zurückkommen würde / Mein Sohn fing an zu weinen / Meine Familie hat dafür bezahlt." Dafür bezahlt, dass unser trauriger Mafioso ins Gefängnis musste. Unschuldig, selbstverständlich, denn: "Ich bin ohne Schuld, das wissen selbst die Heiligen


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