Die Sprache der Knochen

Literatur. Acht Jahre nach dem "Englischen Patienten" veröffentlicht Michael Ondaatje seinen nächsten Roman "Anils Geist". Das Warten hat sich gelohnt.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Hollywood hat Michael Ondaatje durch Anthony Minghellas (mit neun Oscars prämierte) Verfilmung des "Englischen Patienten" von einem bekannten und gepriesenen Autor zum Superstar gemacht. Allem Anschein nach hat sich der Autor durch den Erfolg aber nicht nervös machen lassen und mit seinem nächsten Roman acht Jahre lang zugewartet. Nun liegt "Anils Geist" - im Frühjahr im Original erschienen - auch schon in deutscher Übersetzung vor. Er wird - so ist zu hoffen - der Promotion durch eine Verfilmung nicht bedürfen, die ohnehin nicht allzu wahrscheinlich ist: "Anils Geist" verfügt zwar über hochinteressante Charaktere, für die sich gewiss viele hoch dotierte Filmstars jederzeit auf Tamile oder Singhalese schminken ließen; aber die ganze Erzählstruktur des Romans sperrt sich gegen die Genre-Mechanik Hollywoods.

Gegen Ende des Buches steht die Titelheldin Anil Tissera, die nach 15 Jahren der Abwesenheit nach Sri Lanka zurückgekehrt ist, um im Auftrag der Genfer Menschenrechtskommission


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige