Comandantina Dusilova: MusiCassettismus

Stadtleben | aus FALTER 35/00 vom 30.08.2000

Die späten Siebzigerjahre und erst recht die Achtzigerjahre, die Zeit also in der raukehlige Popstars wie Sting und Phil Collins erstmals ihren unsäglich tränenreichen Einfluss auf Frauenherzen geltend machten, wären undenkbar ohne das kleine schwarze Ding. Das kleine schwarze Ding, das überall herumlag und überall drinsteckte. Das kleine schwarze Ding trug den superdämlichen Namen MusiCassette. Nicht Musik-Kassette, was an sich schon doof geklungen hätte, nein, MusiCassette mussten sie das Minitonbändchen nennen. MusiCassette! "Wow! I got it, we call it MusiCassette!" hatte der pickelige Marketing-Heini bei Philips ausgerufen, da machen wir aus den beiden kleinen c's ein großes, und ab geht die Post mit unserem kleinen schwarzen Ding. Warum ihn die beiden kleinen s und die beiden kleinen t nicht auch zur Konsonantenfusion verführten, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. Nun denn, in sämtlichen MusiCassetten-Recordern steckten ab nun MusiCassetten und nicht MusiCaSeTen und auf Milliarden dieser MusiCassetten wurde nichts anderes aufgenommen als semisurrealistische Lyrik, kehlgesungen von Sting und Pop-Dada, gehauchschrien von Phil Collins. Die MusiCassette hätte locker auch StinCollins heißen können.


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