Standpunkt: Urteil & Vorurteil

Politik | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Die Staatsanwaltschaft lässt aufhorchen: Die Grüne Petrovic, so die Ankläger, gefährde durch ihre Aussagen zum (diese Woche startenden) Verfahren um Charles Ofoedu den Rechtsstaat. Ihr Vorwurf,dass der Schriftsteller Ofoedu nur aus rassistischen Gründen angeklagt werde, stelleVerleumdung dar. Sogar Staatsanwalt Geyer, früher selbst grüner Parlamentarier, distanzierte sich von Petrovic. Was steckt dahinter? Charles Ofoedu wird diese Woche wegen Geldwäsche vor Gericht gestellt. Er soll Geld für nigerianische Drogendealer überwiesen haben. Fast eine Million Schilling. Das ist die eine Seite. Sollte Ofoedu tatsächlich Drogengeld transferiert haben, dann wird ihn die Justiz dafür bestrafen. Das hat mit Rassismus nichts zu tun. Trotzdem hat auch Petrovic Recht, wenn sie die Polizei kritisiert: Hätte der Afrikaner Ofoedu nicht gegen die Polizei demonstriert, hätte er sich nicht mit Grünen dabei ablichten lassen, dann hätte die Polizei sein Foto wohl auch nicht mit dem Vermerk "Drogenboss" an die Medien gespielt und den Mann solcherart vorverurteilt. Der unbescholtene Ofoedu wurde in einer politisch aufgeheizten Stimmung durch das Innenressort vorsätzlichin Misskredit gebracht. Vor seiner gerichtlichen Verurteilung. Und wegen seiner Hautfarbe. Das ist, gerade auch für einen Mann, der unter Verdacht steht, unzumutbar. F. K.


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