Fernsehen

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Wenn Fernsehleute auf ihr Medium zu sprechen kommen, wenn sie uns also gnadenhalber teilhaben lassen am großen Mysterium "Fernsehen machen", dann geben sie uns mit augenzwinkernder Schulmeisterlichkeit zu verstehen, "dass alles schon mal dagewesen sei". Im Klartext meinen sie damit: Haben wir uns alles in Amerika abgeschaut. All die Ticks, die uns Harald Schmidt als selbst erworbene Neurosen verkaufen will:Billig abgekupfert bei Jay Leno und Conan O'Brian. Das menschenverachtende Tausenderfangen in der Geldduschkabine, all die Bingo-, Lotto-, Hoppala- und Ujegerlsendungen: Mit billigem Personal und schlechtem Stoff nach amerikanischen Schnittmustern geschneidert. Ja, selbst der Musikantenstadl dürfte einen Bluegrass-Saloon aus Kentucky zum Vorbild haben. Mit Ausnahme der morgendlichen Schleppliftberichte und der Kulturraspeleien Barbara Retts dürfte es auch auf dem Küniglberg kein Sendeformat geben, das nicht im Land der unbegrenzten Fernsehmöglichkeiten geboren wurde. Dabei wäre es so einfach, ureuropäisches Programm zu machen: Rosamunde-Pilcher-Geschichten zum Beispiel, von Pedro Almodovar in Bad Gastein inszeniert.


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