"Erlösung gibt es nicht"

Literatur. Dieser Tage erscheint Elfriede Jelineks neuer Roman "Gier". Der "Falter" sprach mit der Schriftstellerin über ihren Humor, über die sieben Todsünden, die Macht des Barock und die Textwerdung allen Fleisches.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Alle wollen immer mehr, kriegen es aber eher nicht. Stattdessen gibts eine aufs Dach. Der Tod lauert immer und überall und nimmt - je nachdem - die Form eines Mannes, eines Autos oder eines Berges an. Die Begegnungen sind entsprechend unerfreulich, aber zahlreich. Dennoch kann man sich mit Elfriede Jelineks Roman "Gier", der doch um einiges schmäler und leichter daherkommt als sein 666 Seiten schwerer Vorgänger "Die Kinder der Toten", auch gut unterhalten. Es ist schließlich ein "Unterhaltungsroman".

Falter: Frau Jelinek, haben Sie den Eindruck, dass Sie als Humoristin unterschätzt werden?

Elfriede Jelinek: Ja, hab ich immer schon gefunden. Vor allem in Deutschland hat man meine Sachen nur selten als komisch empfunden.

Ich finde Ihren jüngsten Roman jetzt nicht unbedingt lustiger als die vorhergegangenen, aber er ist als "Unterhaltungsroman" ausgewiesen. Das ist vermutlich ironisch zu verstehen. Bloß wie?

Ich nenne ihn Unterhaltungsroman, weil ich einen leichteren Ton versucht habe,


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