"Erlösung gibt es nicht"/"Gier": Eine Frau ist eine Frau, aber kein Haus

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Ein Stuhl ist auch dann noch ein Stuhl, wenn keiner drauf sitzt, heißt es bei Burt Bacharach. "Aber ein Sessel ist kein Haus, und ein Haus ist kein Zuhause, wenn niemand da ist, der dich festhält." Das ist die sentimentale Version. Die Gegenposition wird in Elfriede Jelineks jüngstem Roman "Gier" vertreten - von einem Gendarmen namens Kurt Janisch. Und die besagt in etwa: Ein Haus ist kein Zuhause, solange jemand außer mir da ist. Der Gendarm hat eine Gattin, eine Gerti und eine Gabi, kann aber auf die Frauen viel besser verzichten als auf deren Häuser: "Ich weiß nur eins: Ziegel halten besser und länger als Fleisch." Am Ende des Romans sind zwei der drei genannten Frauen tot: Gabi wird vom Gendarmen zunächst durch die "Drosselung des glomus caroticum" ins Jenseits und dann in einen Baggersee befördert, Gerti nimmt Phenylbarbiturat zu sich.

Der Inhalt ist damit einigermaßen zureichend umrissen, der Mörder ist von Anfang an bekannt, der Roman an der crime story einigermaßen desinteressiert


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