West-östliche Bettbank

Literatur. Michael Kumpfmüllers aufsehenerregendes Debüt "Hampels Fluchten": ein höchst lesenswerter Roman, der vor kurzem noch unmöglich gewesen wäre.

Kultur | Tobias Heyl | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Michael Kumpfmüllers Romandebüt beginnt leise, aber stark: "An einem Dienstag im März ging Heinrich bei Herleshausen-Wartha über die Grenze." Ähnlich harmlos-bedrohlich beginnt auch Büchners Lenz, aber stark wirkt dieser Beginn, weil Heinrich über die innerdeutsche Grenze geht, und zwar von West nach Ost. Grenzüberschreiter von Ost nach West gab es in der Literatur (und im richtigen Leben) schon häufig, über diese andere Richtung aber, die eigentlich interessantere, erfuhr man nur selten etwas.

Ein deutsch-deutscher Roman also, und obwohl man diesem Genre nur noch eine kurze Restlaufzeit zugetraut hätte, hat er beim deutschen Publikum offenbar einen Nerv getroffen: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung reservierte ihm eine ganze Seite für Pro- und Kontrarezension. Der Vorabdruck im gleichen Blatt begann Anfang Juli und wird sich wohl über vier Monate hinziehen. Sogar das neu besetzte "Literarische Quartett", nunmehr der höflichen Zurückhaltung verpflichtet, gönnte sich zumindest


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