Furie des Verschwindens

Arisierung. Die Ausstellung "inventarisiert" dokumentiert auf eindringlich unspektakuläre Weise die Arisierung jüdischen Eigentums als Kränkung und verbrecherischen Eingriff in die Privatsphäre.


Matthias Dusini
Kultur | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Von dem Stuhl erfuhr Frederick Gillard erst im Herbst 1999. Einrichtungsgegenstände aus der elterlichen Wohnung seien im Kaiserlichen Hofmobilienbüro aufgetaucht. Darunter auch ein Kaffeehausstuhl der Firma Thonet. Nach 61 Jahren tauchen plötzlich Möbel wieder auf, von denen Frederick Gillard - damals noch als Friedrich Wilhelm Goldenberg - in seiner Kindheit umgeben war, bis er mit den Eltern vor den Nazis nach England flüchtete. Bereits kurz nach dem Krieg stellte Gillard gemeinsam mit seiner Mutter einen Antrag auf Rückstellung der Familienvilla, die vom Deutschen Reich als beschlagnahmtes Vermögen verkauft worden war. Die Rückstellkommission sprach ihnen das Eigentumsrecht zu. Das Verfahren zog sich allerdings bis 1953 hin, da die Goldenbergs den neuen Besitzern die Hälfte jenes Kaufpreises, der an das Deutsche Reich bezahlt worden war, rückerstatten sollten. Schließlich verkauften sie das Haus.

Was die Familie Goldenberg nicht wusste, war, dass ihre Möbel im Mobiliendepot

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