Stadtrand: Still gestanden

Stadtleben | aus FALTER 36/00 vom 06.09.2000

Pantomimen sind ungefähr das Letzte, was ich mir im Theater anschauen würde. Abgesehen vielleicht von Ausdruckstanz. Leider kommt man den schweigenden Bleichgesichtern nicht aus, wenn es sich um Straßenkünstler handelt. Okay, den Bogen muss man eh nehmen, weil es offenbar immer noch eine Menge Menschen irgendwie toll finden, wenn jemand so tut, als würde er gerade aufstehen, Zähne putzen und frühstücken. Be-zau-bernd! Aber bitte ohne mich. Die Millenniumsvariante der Pantomimen sind die Statuendarsteller. Statt weiß geschminkt sind sie silbern angemalt. Sie tragen Wallegewänder im Metallic-Look und haben es offenbar nicht mehr nötig, irgendwie so zu tun, als würden sie aufstehen, Zähne putzen oder frühstücken. Statuendarsteller stehen einfach nur auf einer Kiste herum. Mehr nicht. Von Zeit zu Zeit wackeln sie vielleicht ein wenig. Dafür gibts auch noch Geld. Und zwar nicht zu knapp. Interessant ist, dass es die glänzenden Stillsteher nicht nur in Wien gibt, sondern in allen Touristenzentren Europas. In Paris rund um den Louvre machen sie einen auf Ägypten, in London gibt man sich eher römisch und in Helsinki ist angeblich das Modell "Fantasy" sehr beliebt. Augen zu und durch! C. W.


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