Zeigefinger? Mittelfinger?

Außenpolitik. Die Sanktionen fallen, das gespannte Verhältnis zu den anderen EU-Staaten bleibt. Deshalb sucht die Außenministerin neue Freunde im Osten. Kein leichtes Unterfangen, spielt sich Österreich dort doch als Oberlehrer mit erhobenem Zeigefinger auf.

Politik | EVA Weissenberger und Nina Weissensteiner | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Sie müssen schon Verständnis haben", beruhigte ein Polizist den querulierenden Radfahrer, der die Absperrungen nicht einfach hinnehmen wollte, "das ist der erste Staatsbesuch seit langem. Den dürf ma nicht versauen." Die halbe Innenstadt war abgeriegelt, jede Nachrichtensendung berichtete ausführlich und minutenlang über das bedeutende Shakehands mit dem Bundeskanzler. Und dessen Kabinett war einen halben Tag lang nicht ansprechbar: "Keine Zeit, haben den Stoiber am Hals."

Nach mehr als acht Monaten durchbrach Edmund Stoiber, der Ministerpräsident von Bayern, letzte Woche als Erster Österreichs außenpolitische Quarantäne. Ganz offiziell und ohne Berührungsängste. Kein Wunder also, dass ganz Österreich - Regierung wie Opposition - den diplomatischen Musterschüler spielte: Zwei Tage lang gab es kein vorlautes Rausrufen, kein Quengeln, kein Vertratschen. Es schien fast, als hätte die gesamte Republik Nachhilfe in Sachen Diplomatie bekommen: Nach langem zogen endlich wieder einmal


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