Mister Boss, I presume?

Justiz. Im Prozess um den Schriftsteller Charles Ofoedu geht es sowohl für die Polizei als auch für die Grünen um viel. Nur nicht um das, was der Afrikaner wirklich getan hat.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Vor fünf Jahren nannte der Chef der französischen Polizei einen Verdächtigen einfach "Mörder". Der vermeintliche Mörder wurde glatt freigesprochen und beschwerte sich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Richter aus Straßburg gaben dem Mann Recht: Jedes staatliche Organ, das einen Verdächtigen als Täter präsentiere, verletze das faire Verfahren und damit die Menschenrechte. Der Mann bekam ein paar Millionen Francs Entschädigung.

Was hat das mit Charles Ofoedu zu tun? Michael Sika und andere hohe Beamte haben ihn einen "Drogenboss" genannt. Ein Jahr später sitzt der Nigerianer vor Gericht. "Sie sind angeklagt, einer kriminellen Organisation anzugehören", sagt Richter Kurt Wachsmann zu Charles Ofoedu. Mitglied einer kriminellen Organisation? Anwalt Fehringer schüttelt den Kopf. Geldwäscherei steht in der Anklage. Ein feiner Unterschied, der den Strafrahmen um ein Drittel senkt. Auch ein Richter bezieht seine Informationen aus den Medien.

Worum gehts hier wirklich?


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