Fernsehen

Andrea Dusl | Medien | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Es wird Zeit, der Wahrheit ins Auge zu schauen: Wir vermissen Heinz Conrads. Heinz Conrads, den ungütigen älteren Herrn mit der schnarrenden Stimme und den untertassengroßen Ohrläppchen. Heinz Conrads, der samstagein sonntagaus eine ganze Nation zu fesseln vermochte. Sein "Guten Abend, die Damen, guten Abend, die Herren, griass eich die Madln, seavas die Buam" war mehr Österreich als Figl und Moser, Gumpoldskirchner und Schnitzel. In einer Melange aus augenzwinkernder Schmeichelei und arrogantem Hochstapeln seifte Heinz Conrads das Land ein mit Liedgut aus Meidling und Hernals, naseweisem Musikstudentengefidel und Operettenschmalz aus Badner Tenorkehlen.

All das hatte weder Stil noch Klasse, aber es hatte Attitüde, und damit war es Fernsehen pur. Wir vermissen Heinz Conrads und seine singende, klingende Wochenplauderei. Und weder der warmherzige Günther Tolar noch der goscherte Peter Rapp, weder der schwiegermütterliche Alfons Haider noch der vorstädtische Ostbahnprofessor sollten seinen Platz einnehmen. Und doch besteht Hoffnung auf einen neuen Heinzi. Er heißt Viktor Gernot.


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