Ein Land in Gruppentherapie

Film. Vergangenheitsbewältigung in Südafrika: Der preisgekrönte amerikanische Dokumentarfilm "A Long Night's Journey Into Day" zeigt Täter und Opfer des Apartheid-Regimes - und den Versuch einer kollektiven Versöhnung.

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Am Vormittag des 3. März 1986 eröffnet ein Trupp der südafrikanischen Polizeikräfte ohne Vorwarnung das Feuer auf einen Kleinbus, der sich dem Polizeihauptquartier des Townships Guguletu genähert hat. Sieben schwarze Jugendliche, bewaffnete Mitglieder eines lokalen Jugendclubs, werden aus nächster Nähe erschossen, während eine Dokumentationseinheit der Behörde die "Operation" mittels Videokameras aufzeichnet. Das Bildmaterial wird noch am selben Abend im nationalen Fernsehen gezeigt; die Familien der getöteten "Terroristen" erfahren erst so vom Verbleib ihrer Angehörigen.

Sieben Jahre später, wiederum Guguletu bei Kapstadt. Demonstrationen gegen das Apartheid-Regime und Ausschreitungen der Polizeikräfte erreichen einen letzten Höhepunkt. Amy Biehl, eine amerikanische Fulbright-Stipendiatin und Friedensaktivistin, wird vom aufgebrachten Mob aufgegriffen, niedergestochen und zu Tode geprügelt. Die vier Täter rechtfertigen ihren Angriff mit den Worten "Jedem Siedler eine Kugel".


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