Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Elsner (Hannelore) spielt Elsner (Gisela), die im Film allerdings Flanders (und mit Vornamen Hanna) heißt: Ein Hinweis darauf, dass die eine mit der anderen weder verwandt noch verschwägert ist, dass mögliche Rechtsprobleme mit lebenden Personen zu befürchten standen, und nicht zuletzt auch ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Schauspielerin ihrer Rolle der 1992 von einem Hochhaus in den Tod gesprungenen früheren westdeutschen Starautorin angenähert hat. Oskar Roehler, Gisela Elsners Sohn, hat jetzt die letzten Jahre ihres Lebens verfilmt.

Der Titel dieser Chronik eines angekündigten Selbstmords, "Die Unberührbare", kommt nicht von ungefähr. Sie beginnt mit der Nachricht vom Fall der Mauer im Herbst 1989, den Elsner als Katastrophe, als das Ende ihrer persönlichen Utopie und ansonsten vor allem in Großaufnahmen erlebt. Je vertrauter sie uns im Verlauf der Handlung wird, desto verzweifelter wird ihre Lage und desto weiter scheint die Kamera sich von ihr zu entfernen. Der Film selbst läuft - ähnlich dem "Lebensfilm", den man im Augenblick des Todes angeblich vor Augen hat - nach dem Prinzip eines Stationendramas ab. Hilfe suchend begegnet Elsner noch einmal all den Menschen wieder, die eine Rolle in ihrem Leben gespielt haben: Dem Ex (Vadim Glowna), der sie zum Lachen und sogar ins Bett kriegt, ehe das kurze Glück in einer Kastastrophe endet; dem Leiter des Verlags, in dem sie "Die Riesenzwerge", "Abseits", "Das Berührungsverbot" veröffentlichte, ehe er (wenig schmeichelhaft für Michael Naumann) kalt lächelnd ihren Vertrag kündigt; und zuletzt ihren schrecklichen Eltern, wobei Papa (Charles Regnier), der früher Vorstand bei Siemens war, ihr wenigstens heimlich noch 500 Mark zusteckt.

Kein Zweifel, Roehlers "Die Unberührbare" ist exzellent gespielt, in harschem Schwarz-Weiß gedreht und mit größter Präzision gestaltet: ein künstlerisch bedeutender Film aus Deutschland. Jeder andere Einwand schiene mir unzulässig.


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