Geachtetes Feindbild

Kunst. Wird Pablo Picassos Bedeutung für die Kunstgeschichte überschätzt? Ein Rundgang mit Oswald Oberhuber durch die aktuelle Ausstellung im Kunstforum.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Wenn Sie einen Picasso-Fan befragen wollen, bin ich der Falsche." Oswald Oberhuber, Künstler, pensionierter Rektor der Angewandten und Exministrant, legt seinen Regenmantel über den Arm und stellt sich in die Warteschlange vor dem Kunstforum. Er deutet auf das Ausstellungsplakat, auf dem eines der typischen Picasso-Gesichter zu sehen ist. "Das kann man heute nicht mehr verstehen, diese Gewalt, mit der er Gesichter zerstört hat."

Oberhuber, der als Hochschulprofessor, Leiter der Galerie nächst St. Stephan und Mitbegründer des Museums Moderner Kunst zu den wichtigsten Vermittlern zeitgenössischer Kunst in Österreich gehört, spaziert durch das Kunstforum und lächelt verschämt in die Kamera von Falter-Fotograf Heribert Corn: "Ich bin ja nicht der Picasso." Kurz verweilt er vor den kubistischen Zeichnungen und vor denen, die kurz danach entstanden sind, als der Spanier seine Leidenschaft für italienischen Klassizismus entdeckte. Doch mit der Miene eines Simultanschachspielers, der


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige