Geburt einer Tragödie

Theater. Wiedersehen mit einem alten Skandalstück: Der Choreograph Bert Gstettner inszeniert "Das Liebeskonzil" von Oskar Panizza.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Wir schreiben das Jahr 1495, und der liebe Gott hat üble Laune. Die Augen versagen ihren Dienst, die Füße tun ihm weh, und in den Gelenken regiert die Gicht. "Gott, bin ich alt geworden!", seufzt der Tattergreis, als gäbe es einen Gott, bei dem sich Gott beschweren könnte. "Gott, wenn ich sterben könnte!", jammert er, als wüsste er nicht selbst am besten, dass er unsterblich ist. Dazu kommt, dass sich die Menschen unten auf der Erde schon lange nicht mehr um ihren Schöpfer scheren. Ein Bote gibt Kunde vom ausschweifenden Treiben der Neapolitaner ("Die ganze Stadt ein kochender Kessel der Leidenschaft"), im Vatikan feiert Rodrigo Borgia alias Papst Alexander VI. am ersten Tag des Osterfestes eine Orgie.

Gott ist mit seiner Geduld am Ende. Er lässt den Teufel zu sich rufen und gibt bei diesem eine Racheaktion in Auftrag, die die Menschheit zwar nicht ausrotten, aber doch "empfindlich" schmerzen solle. Der Teufel hat verstanden und zieht sich in die Hölle zurück, um seine Idee ("Man


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige