Stadtrand: Lug und Trug

Stadtleben | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Aus der Reihe "Weltuntergänge und Naturkatastrophen" heute die Episode: Das Wiener Telefonbuch hat immer Recht. Von wegen: Der Sommer war sehr groß. Das Wiener Telefonbuch räumt auf mit dem Lug und Trug: Es herrscht natürlich die Eiszeit. Wie wurden wir wieder getäuscht! Die paar warmen Tage, die man aus einer fragwürdigen Tradition heraus als Sommer bezeichnet, sind zu Ende. Einige Stunden lang diese warme, enervierende Zähflüssigkeit, das Thermometer spielte willfährig mit, mindestens ein Wochenende lang waren die Chronisten in den Redaktionen damit beschäftigt, die dicksten Lettern hervorzukramen: Sommer! Einige Stunden lang war es auf Knall und Fall Sommer. Jetzt wieder, bis hinaus in alle Ewigkeit: Normalität, eisige Zeit. Hach, alle hat er getäuscht! Denn Recht hat immer das Telefonbuch. 711 Einträge hat der Name "Winter". Siebenhundertelf! Der perfide Musterschüler "Sommer" steigt schwarz auf weiß mit nur 469 aus. "Frühling" (17) und "Herbst" (114): Randerscheinungen. "Jahreszeiten" gibt es kaum (2), "Sonne" (4) ist ein Fremdkörper. Nach "Gott" (0) hält man im Telefonbuch vergebens Ausschau. Tröstlich ist nur: "Selbstmord"(0). Wo sind die Pelzmäntel eingemottet, her mit Schal und Seelenwärmern. Wo. P.


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