Böse Taxler

Taxi Orange, bitte/Ruhig da vorne!

Nina Weissensteiner | Stadtleben | aus FALTER 37/00 vom 13.09.2000

Es muss wohl daran liegen, dass nahezu kein Wiener Taxifahrer die Frauenfelderstraße kennt. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass außer mir niemand in der Falter-Redaktion ständig Opfer von Taxler-Ansprachen zur Lage der Nation wird? Nach meiner ausführlichen Wegbeschreibung ("Hernalser Hauptstraße rauf, Spurtclub-Platz kennen S doch, durt ist auch die Frauenfelderstraße" usw.) fühlen sich die meisten anscheinend dazu aufgerufen, den Smalltalk krampfhaft am Leben zu erhalten. Aber Smalltalk in Wiener Taxis bedeutet nicht - wie überall sonst - gemeinsamen Austausch von Lebensumständen, sondern brachiale Einwegkommunikation. Eine zu lange Rotphase oder ein Loch im Asphalt genügt, dass die Fahrer einem die Wurzel allen Übels erklären: Fast unmöglich, sich in ihre darauf folgenden Vernichtungsreden über "de Scheißauslända", "die unnädige EU", "die sauteuren (Donnerstags-)Demonstranten" oder "de Schwulen" (zwa Mauna, des is jo des Letzte") mit einem "Ja, aber ..." einzuklinken.

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