Dolm der Woche: W. Schüssel

Politik | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Gott ist offenbar schwarz-blau. Zumindest meinen das Wolfgang Schüssel und seine Ministranten. Der Kanzler pilgerte samt einer frommen Schar von Ministern und Landeshauptleuten zur Wallfahrt nach Mariazell, um für die Aufhebung der Sanktionen der EU-14 zu danken. Als seinen außenpolitischen Einflüsterer outete Schüssel den Heiligen Benedikt, nach dessen Regel "aequo animo" (Gleichmut, Gelassenheit) er gehandelt hätte. Wenn ihm der Heilige wegen der wohlinszenierten Aufregung um die EU-Maßnahmen nicht die Gunst entzieht und ihn nicht seinerseits mit in solchen Kreisen üblichen Sanktionen (Sturmflut, Heuschreckenplage) straft, wird sich Schüssel wohl auch in Zukunft auf die Benediktiner berufen. Denn eine andere Regel des Ordens besagt, dass sich die Mönche ihren Oberen selber wählen und ihm dann bedingungslos gehorsam sind. Und das ist wohl genau, was Bundeskanzler Schüssel immer wollte.


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