Man sollte dagegen sein

Essay. Betrachtungen über die so genannte Zivilgesellschaft und den Zustand der Oppositionsparteien im ersten Sommer nach der Wende.

Politik | Armin Thurnher | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

15. Juni 2000, ein heißer Abend. Ich schlenderte nicht ganz absichtslos durch Wien, hatte vor, ein Feuilleton über den Stand der Dinge abzufassen. Jeden Donnerstag abend treffen sich seit der Bildung der schwarz-blauen Koalition Demonstranten am Ballhausplatz, um irgendwohin zu marschieren, geleitet von einer noch immer erstaunlich toleranten Polizei. Auch wenn den Beamten die Demos schon auf die Nerven gehen, die Boulevardblätter ihre Hetze allmählich verschärfen, verläuft alles bis auf wenige Ausnahmen friedlich. Die Krone brachte sogar den Leserbrief einer betagten Dauerdemonstrantin, allerdings nur um den Hohn vieler weiterer Leserbriefe über sie zu ergießen. Anfangs hatten sogar einige Polizisten von ihren Gewissenskonflikten berichtet (manche sagten, sie hätten selbst gern demonstriert; wir sind im Roten Wien), und der Wiener Polizeipräsident selbst hatte seine Tochter von einer Demonstration abgeholt, die Teilnahme durchaus nicht missbilligend. Ehemalige Kanzler und Minister


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