Welt im Zitat

Kultur | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Nichts als die Wahrheit Nicht Wahrheit ist wichtig, sondern Richtigkeit in einer Situation, die selbst schon politisch erfunden wird. Wahrheit wird da zu einer Außenseiter-Ware, einer ganz gefährlichen. Wie bei den Vögeln eben: Nestbeschmutzer. Die müssen verhaftet werden. Es heißt ja auch WahrHAFTigkeit, also Warenhaftigkeit, Wahnhaftigkeit, Verwahrhaftungsware. Und wenn diese Ware gut geht, braucht man nur das ,H' wegnehmen aus ,wahr', und sie einmal umdrehn, und den Anfangsbuchstaben umdrehn, und es wird ,After'. Das wird aber, wie bei Ovid, als Goldenes Zeitalter eingeredet.

Gert Jonke im Standard-Interview zu seinem Stück "Die Vögel".

Die Antwort hing am Fragezeichen Die Doppeldeutigkeit ist erst auf den zweiten Blick erkennbar, aber "Ich lass mich gehen" klingt in der wortgewandten Doktrin des Günter Paal nicht nur - wie er meint - interessant, sondern vielversprechend. Womit der Zusatz "Ein Abschied" eher zum Fragezeichen mutiert. Einem Fragezeichen, das die Antwort in einem Atemzuge hintanhängen hat: "Owa wirklich net!" Gunkls vordergründiges Synonym für den ersten Teil des Titels ist Erklärung und Anachronismus zugleich: "Ich entlasse mich in die Zukunft". Was letztendlich nichts anderes bedeuten würde, als dass der Künstler bis dato beharrlich am Hier und Heute festgeklebt sein musste und jedwede Veränderung in Richtung futuristische Zeitenwende verweigert hätte. Da dem nicht so war und somit auch nicht ist, muss das Vordergründige auch etwas Hintergründiges haben.

Das Branchenblatt Klein & Kunst über das neue Gunkl-Programm.

Nur über meine Leiche Es ist ja eine der Pflichten der Künstler, Opposition zu sein. Aber haben sie auch das Recht, über Leichen zu gehen einschließlich ihrer eigenen?

Tja, John. Wenn jemand über seine eigene Leiche gehen will, sollte man ihn schon gehen lassen. Oder?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige