Kasperl als Krokodil

Musik. Die schwarz-blaue Regierung holt Stefan Weber aus der Frühpension: Die neue Drahdiwaberl-CD ist ein Tortenattentat für die Ohren.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Seit mehr als 30 Jahren führt Stefan Weber ein Doppelleben. Als Privatmann ist er ein überaus umgänglicher Zeitgenosse. Aber sobald er eine Bühne betritt, wird er zum Berserker: Weber ist Frontman der Spaßterroristen-Bande Drahdiwaberl, und wenn er mit seinen Spießgesellen - mindestens einmal jährlich - zu einem "letzten Konzert" lädt, bleibt kein Auge trocken und kein Kostüm sauber.

Drahdiwaberl, das ist Wiener Aktionismus mit Schmäh und menschlichem Antlitz. Anstelle von Stierblut fließt bei den Auftritten der Gruppe nur Ketchup; dafür wird auf der Bühne nicht selten Livesex geboten. Freunde der gepflegten Pointe kommen bei Drahdiwaberl, bei denen einst ein gewisser Hans Hölzel seine ersten Bühnenschritte machte, eher nicht auf ihre Rechnung. "Mit subtilem Wortwitz erreichst du ein paar Intellektuelle, aber sonst niemand", spricht Stefan Weber aus Erfahrung. "Da musst du, wie im Kasperltheater, leider mit dem Holzhammer arbeiten. Obwohl, was heißt leider? Es liegt mir eh."


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