Viel Rauch um nichts

Film. Ein Drogenfilm für die ganze Familie: die englische Marihuana-Komödie "Saving Grace".

Kultur | Maya McKechneay | aus FALTER 38/00 vom 20.09.2000

Der Marihuana-Wald im Gewächshaus der Upperclass-Lady: Dieses widersprüchliche Bild ist Herzstück der britischen Feel-Good-Komödie "Saving Grace" (deutscher Titel: "Grasgeflüster"). Mike-Leigh-Darstellerin Brenda Blethyn ("Secrets & Lies") spielt Grace, eine liebenswerte Britin mittleren Alters, die nach dem Tod des Gatten unvermutet vor einem Schuldenberg steht. Dem Landgut an der malerischen Steilküste von Cornwall droht die Zwangsversteigerung - die Situation ist also geeignet, eine mehr oder minder große Verzweiflungstat zu rechtfertigen.

Der Helfer ist der Gärtner (Craig Ferguson), ein Gelegenheitskiffer. Sein Vorschlag: Warum nicht aus der Orchideenzucht eine Hanfplantage machen? Ein "Joint Venture", wie es der Untertitel des Films wortverspielt nennt. "Saving Grace" ist der Film für alle, die das Gefühl nie losgeworden sind, "Trainspotting" sei doch irgendwie jugendgefährdend. Das "Tabuthema Drogen" wird hier auf einem ähnlich konsensfähigen Niveau verhandelt, wie weiblicher Alkoholismus in "28 Days", Prostitution in "Pretty Woman" oder zölibatäre Gewissenskonflikte in "Keeping the Faith" - schmuddelfrei und mit Moralgarantie.

Der Marihuana-Anbau ist weniger Delikt als Schelmerei, in die nach und nach ein ganzes Dorf samt britischem Bobby, Arzt und Pfaffen verwickelt werden. Ein Kollektiv aus liebenswerten Sturschädeln, wie wir es aus anderen Komödien von der Insel ("The Englishman Who Went Up a Mountain and Came Down a Hill", "Brassed Off") bereits kennen.

Dass der Film sich nicht ganz in vorhersehbarem Klamauk verliert, ist Brenda Blethyn zu verdanken. Die Rolle der Grace scheint ihr ebenso auf den Leib geschneidert wie der unmögliche weiße Hosenanzug mit passendem Hut aus den Spätsiebzigern, den sie trägt, um in London ihr Kraut zu verdealen. Liebenswert, wie gesagt. Aber harmlos.

Ab 22.9. in den Wiener Kinos ("Falter"-Premiere am 21.9., 20.30 Uhr, im Votiv, OmU).


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